Waschen: Allzuviel ist ungesund
Die Grenze ist nur schwer zu ziehen: Wo beginnt der Dreckspatz und wo der Sauberkeitswahn? Einmal am Tag unter die Dusche, vielleicht zweimal, das mag ja gerade noch angehen. Wer das aber öfter macht und dazu noch jedes mal eine schäumende Einseifprozedur vollzieht, der tut seiner Haut keinen Gefallen. Im Gegenteil, er schädigt sie.
Früher, da wurde einmal in der Woche gebadet, dazwischen musste eine einfache Wäsche mit fließendem Wasser (das oft auch noch kalt war) genügen. Schuld an diesen Sauberkeitsorgien ist eine zunehmende Angst vor Unsauberkeit. Wir wollen sauber sein, frisch und gut duften, alle sollen uns und unseren Geruch mögen. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden.
Aber nun wird uns zum Beispiel eingeredet, dass Hauttalg übel riecht, schädlich sei und durch Lotionen oder Cremes ersetzt werden müsse. Das ist purer Unsinn, denn der Hauttalg ist wichtig als Schutz und Pflege der Haut. Lotionen, die sehr oft viele Chemikalien enthalten, können ihn nicht ersetzen. Dafür können sie etwas anderes: Allergien auslösen. Genau so ist es mit dem Schweiß: Der reguliert den Wärmehaushalt des Körpers und beginnt erst dann unangenehm zu riechen, wenn er durch Bakterien zersetzt wird.
Bleibt festzuhalten: Körperhygiene ist wichtig und gut - wenn sie in Maßen betrieben wird. Wenn wir unsere Haut reinigen, dann sollte sie möglichst wenig entfettet, ausgetrocknet und gereizt werden. Und das geht nicht mit den handelsüblichen parfümierten Seifen. Schädlich ist vor allem langes schäumendes Abseifen. Das führt zu einer massiven Entfettung.
Auch flüssige Seifen sind nicht empfehlenswert. Besser sind feste Seifen mit einem ph-Wert zwischen fünf und sechs. Das entspricht in etwa dem natürlichen Säurewert unserer Haut. So sollten Sie die verschiedenen Hauttypen pflegen:
Fettige Haut:
Verwenden Sie warmes Wasser und einen Frotteewaschlappen und eine milde, nicht rückfettende Seife. Damit entfernen Sie den überschüssigen Talg. Die Seife sollte dem ph-Wert Ihrer Haut angepasst sein.
Trockene Haut:
Wenn das Abspülen mit kühlem, abgekochtem Wasser nicht genügt, dann sollten Sie eine rückfettende Seife verwenden. Abgekochtes Wasser ist deshalb wichtig, weil es salzfrei ist und die Haut nicht gereizt wird. Benutze n Sie auf keinen Fall stark entfettende, waschaktive Stoffe wie alkalische Seifenlösungen.
Normale Haut:
Wenn Sie Ihre Haut nicht stark abseifen und abrubbeln, dann können Sie auch alkalische Seifen benutzen. Ihre Haut stellt den normalen Säure- und Fettmantel schnell wieder her.
Normale Seifen wirken die im alkalischen Bereich (also über pH 7) und zerstören deshalb den natürlichen Säuremantel der Haut (4,8 – 6,0) ebenso wie die schützende Fettschicht. Sie reagieren auch mit Molekülen in der Haut und können die Oberschicht der Haut quellen lassen. Enthaltene Parfümöle oder Desinfektionsmittel können allergische Reaktionen auslösen. Syndets (=synthetisches Detergens) sind künstlich hergestellte Waschmittel, die intensiv reinigen, die Haut aber auch stark entfetten können. Deshalb enthalten sie rückfettende Substanzen wie etwa Paraffin, Olivenöl oder Sojabohnenöl. Ihr pH-Wert kann dem des Säuremantels der Haut angepasst werden.
Tipps für die richtige pflegende Hautwäsche:
- Bei Ekzemen oder bei Pilzbefall sollten milde antibakterielle Syndets verwendet werden.
- Auch pures Wasser löst den Hauttalg und entfernt den Hautschweiß - warmes Wasser besser als kaltes.
- Zur Reinigung ist kurzes Duschen immer besser als langes Baden. Lang dauernde, heiße Bäder fördern das Austrocknen der Haut. Für Bäder sind ölhaltige Zusätze zu empfehlen, nicht aber Schaumbäder. Nach dem Abtrocknen können Wasser-in-Öl-Emulsionen oder Cremes einen Teil des verlorenen Fettschutzes ersetzen.
- Wenn Sie eine trockene Haut haben, dann sollten Sie Duschöle benutzen.
- Im Intimbereich sollten Sie sich möglichst nur mit reinem Wasser waschen. Frauen können so Scheideninfektionen vermeiden.
- Maler, Automechaniker, Schornsteinfeger oder Bauarbeiter sollten keine Reinigungspasten mit Quarzsand oder Bimsstein und erst recht nicht Nitroverdünnung, Benzin oder Terpentin verwenden, da diese die Haut schädigen. Es gibt neue Waschhilfen, die Kleie oder Holzmehl enthalten und schonender reinigen.
- Im Winter sollten empfindliche Menschen ihre trockene Haut intensiv pflegen, vor allem, wenn sie häufig Schwimmen gehen. Andernfalls können sich Austrocknungsekzeme bilden.
- Gesichtswasser hilft die Wiederaufbauphase des Säureschutzmantels zu beschleunigen, die nach einer Reinigung normalerweise 20 bis 30 Minuten benötigt. Zusätzlich entfernt Gesichtswasser die Kalkablagerungen des Leitungswassers und Reinigungsrückstände, die auf Dauer die Poren verstopfen und so für Unreinheiten sorgen könnten.
Bild: © gandolf - Fotolia.com
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