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Wachkoma bei Kindern: Hunde helfen heilen

Der Alptraum Wachkoma - viele tausend Menschen in Deutschland sind davon betroffen, darunter sehr viele Kinder. Menschen, die nur körperlich funktionieren. Oft braucht es Jahre, bis sie wieder ins bewusste Leben zurückkommen, manchmal geschieht das nie. Jetzt hört man immer öfter von überraschenden Erfolgen, wenn Hunde bei solchen Kindern zur Therapie eingesetzt werden.

Was ist Wachkoma?

Immer wieder erfahren wir von Fällen, in denen Menschen viele Jahre lang im Wachkoma liegen, vor sich hindämmern, nicht ansprechbar sind, keine kontrollierten Regungen zeigen. Sie müssen meist künstlich ernährt werden, werden von Maschinen am Leben erhalten. Es ist, als habe sich ihr Denken und Fühlen, ihre Möglichkeit der Kommunikation ins Innere des Körpers zurückgezogen. Was dann da im Krankenbett liegt ist nur noch die Hülle eines Menschen. Aber genau das weiss eben niemand genau. Und dieses Nichtwissen macht das Wachkoma zu einem Alptraum - für die Betroffenen und für die Angehörigen.

Folgende Kriterien gelten für das Wachkoma (Apallisches Syndrom):

  • Der Verlust von Sprachverständnis und der Sprachproduktion
  • Ein gestörter Wach-Schlafrhythmus
  • Der vollständige Verlust des Bewusstseins seiner selbst oder der Umwelt
  • Keine Fähigkeit mehr zu kommunizieren
  • Der Verlust der Fähigkeit auf Reize zu reagieren
  • Harnblasen- bzw. Darminkontinenz

Ein Wachkoma ist fast immer die Folge einer schweren Schädigung des Gehirns durch ein Schädel-Hirntrauma wegen eines Unfalls. Sehr oft sind auch Sauerstoffmangel nach einem Kreislaufstillstand und/oder einem Ertrinkungsunfall die Ursache. Auch ein Schlaganfall, Hirntumore, eine Meningitis-Erkrankung oder das Parkinson-Syndrom können zum Wachkoma führen.

Die Chance einer Erholung aus dem Wachkoma liegt immer noch weit unter 50 Prozent. Und sehr oft bleiben schwere Hirnschäden zurück.

Hunde als Therapeuten

Schon seit einiger Zeit hat man bei Wachkoma-Patienten, vor allem bei Kindern, gute Therapie-Erfolg durch den Einsatz von Hunden erzielt. In einigen Spezialklinken gehört der Einsatz von solchen Therapie-Hunden bereits zum Programm. Kinder reagieren besonders intensiv auf die Berührung und die Anwesenheit von Hunden.

Besonders geeignet sind die Hundearten Retriever und Labrador. Deren sanftes und verständnisvolles Wesen wird von den Kindern gespürt. Die Hunde widerum suchen von sich aus die Nähe zu den Patienten - als würden sie spüren, dass diese Hilfe brauchen. Sie berühren die Patienten leicht, versuchen, sie zum Spielen zu bewegen. Alleine dadurch setzen sie bei den Kindern eine Motivierung in Gang. Das Ablecken der Finger und Handflächen stärkt die motorischen Kräfte der kleinen Patienten. In vielen Fällen konnte beobachtet werden, dass die Patienten die Anwesenheit der Hunde bewusst wahrnehmen.

Raus aus dem Schattenreich des Wachkoma

Es wurde beobachtet, dass sich die meistens verkrampften Hände der Patienten lösten, dass sie lächelten und die Pfoten der Hund drückten. Das mag angesichts des Zustands der Patienten minimal erscheinen, ist aber oft das erste Zeichen dafür, dass die Patienten beginnen, aus dem Schattenreich des Wachkomas zurück zu kehren. Dr. Gerhard Kluger, leitender Arzt an der Klinik für Neuropädiatrie und Neurologische Rehabilitation im Klinikum Vogtareuth - dort wird mit Hunden gearbeitet - sagt dazu: "Die Hunde begegnen den Kindern völlig unverkrampft, und die reagieren spontan emotional."

Jede Therapie-Begegnung zwischen Patient und Hund wird genau protokolliert. Sie sollte nie länger als maximal eine halbe Stunde sein. Die ersten Erfolge zeichnen sich ab, wenn die oft völlig verkrampften Körper der Kinder sich lösen, sich Atmung und Herzschlag beruhigen. Es wurde gemessen, wie Blutdruck und Muskelanspannung sinken, dass der Körper weniger Stresshormone ausschüttet.

Paradepatientin ist ein kleine Mädchen, das nach einer Gehirnentzündung ins Wachkoma fiel, sich immer mehr in sich zurückzog. Nach einer gründlichen Behandlung und der Therapie mit einer Retriever-Hündin beginnt das Mädchen jetzt wieder zu sprechen. Und "ihrer" Hündin lacht sie jedesmal entgegen, wenn diese als "Co-Therapeutin" zur Behandlung kommt.

Info:
Telephon Klinikum Vogtareuth: 08038 900

Der Verein Silberstreifen e. V. unterstützt Familien, deren Kinder im Behandlungszentrum Vogtareuth betreut werden. Die Projekte reichen von der Betreuung von Geschwisterkindern bis zur Unterstützung der tiergestützten Therapie für kleine Patienten:

Silberstreifen e.V.
VR Bank Rosenheim-Chiemsee eG
BLZ: 711 601 61
KTO: 550 7669
Stichwort "Hundetherapie"

Mein Kommentar:

Das menschliche Gehirn, wie es funktioniert, wie es bei Verletzungen und Schädigungen reagiert - für uns immer noch terra incognita: Es Land voller Geheimnisse und Wunder. Und manchmal sind es Tiere, die das Wunder schaffen. Die erreichen, was die modernste und beste Medizinforschung und -technik nicht erreicht. Hunde als Therapeuten: Mensch und Tier sind sich oft näher, als wir es ahnen.

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