Schmerzende Arthrose: Blutegel heilen
Der Patient liegt völlig entspannt auf einer Liege, am nackten Knie sitzen vier bis sechs Blutegel - und werden immer größer und fetter: Sie saugen. Sieht wirklich nicht schön aus - aber es ist sehr hilfreich. Eine Arthrose-Behandlung mit Blutegeln: Immer stärker setzt die Schulmedizin auf diese uralte Naturbehandlungsmethode. Und zwar mit sehr großem Erfolg.
Blutegel: Einmal saugen - ein Jahr satt
Der "Medizinische Blutegel" lebt in Europa, Kleinasien und Nordafrika. Er wird in der Naturmedizin seit Jahrtausenden eingesetzt. Im ausgehenden Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert hinein waren medizinische Behandlungen mit Blutegeln sehr verbreitet, so dass er fast am Aussterben war. Die heute zu medizinischen Zwecken verwendeten Blutegeln stammen aus Zuchtfarmen. Ein Blutegel kann während eines ungestörten Saugvorgangs bis zum Fünffachen seines Körpergewichts an Blut aufnehmen - danach ist er für ein Jahr satt.
Wie saugt denn nun ein Blutegel?
Das Tier (ein Zwitter) saugt sich an der haut von Säugetieren fest, beisst die Haut auf. Dabei verwendet der Blutegel ein schmerzstillendes Mittel in seinem Speichel, so dass der "Wirt" keine Schmerzen verspürt. Die Beisswerkzeuge des Blutegels sind so stark, dass sie auch das Fell eines Rindes schnell durchdringen können. Kein Wunder: Er hat zwei Mäuler mit 240 spitzen Zähnen. Noch während des Saugens dickt der Blutegel das aufgenommene Blut ein, das Wasser wird über die Haut ausgeschieden.
Tausende Arthrose-Patienten mit Erfolg behandelt
Im Grunde genommen ist ein Blutegel eine kriechende Apotheke. In seinem Speichel finden sich etwa 40 Inhaltsstoffe, die eine blutgerinnungshemmende, gefäßweitende, entzündungshemmende, schmerzlindernde und entkrampfende Wirkung haben. Viele davon sind erforscht, einige aber noch unbekannt.
In der Abteilung für Naturheilkunde am Klinikum Essen wird mit Blutegeln seit Jahren mit Erfolg gearbeitet. Dort wurden schon tausende Arthrose-Patienten mit Erfolg behandelt. Die durch verschlissene Knorpel ausgelösten Gelenkschmerzen wurden dabei erfolgreich behandelt. Schon nach einmaligem Anlegen der Egel gingen die Schmerzen deutlich zurück. In einer Studie wurden 400 Patienten mit Blutegeln behandelt: 80 Prozent konnten eine deutliche Schmerzlinderung feststellen.
Die Behandlung selbst ist sehr einfach: Den Patienten werden vier bis sechs Blutegeln angesetzt, die saugen, bis sie "vollgefressen" abfallen. Das dauert etwa eine knappe Stunde. Wegen des gerinnungshemmenden Sekrets blutet die Bisswunde etwa fünf Stunden nach. Der Schmerz wird wie ein Mückenstich empfunden und lässt schnell nach: Die Egel spritzen ihrem Wirt aus winzigen Drüsen zwischen den Zähnen ein schmerzstillendes Mittel. Ein Blutegel darf am Menschen nur ein einziges Mal eingesetzt werden.
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