Gesundheitswesen: Betrug und Verschwendung
Jürgen Windeler, neuer Chef des Arzneimittel-Prüfinstituts: "Die Summen, die für ungeeignete Behandlungen ausgegeben werden, sind erheblich", sagte er in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau". Es handele sich dabei um Milliardenbeträge "nicht nur im einstelligen Bereich". Bevor man über die Rationierung medizinischer Leistungen rede, «sollte man diese Mittel in die richtigen Bahnen lenken».
Bei der zweiten Nachricht ist die Schadenssumme kleiner, der Tatbestand aber ähnelt einer Horrorvision. Gegen zwei Direktoren von Kliniken und einen Chefarzt der Radiologie des Klinikums Berlin Mitte besteht der dringende Tatverdacht des Betrugs und der Körperverletzung. So sollen aus rein wirtschaftlichen Erwägungen medizinisch überflüssige Doppeluntersuchungen vorgenommen worden sein.
Ausserdem sollen wichtige Untersuchungen nicht vom Chefarzt oder von Fachärzten durchgeführt worden sein, sondern von dafür nicht ausgebildeten Assistenzärzten. Abgerechnet wurde aber die Behandlung durch den Chef- bzw. Facharzt (wesentlich teurer). Einer der Patienten habe wegen eines Ärztefehlers auf die Intensivstation verlegt werden müssen. Der Schaden - so die Ermittler - gehe in die Millionenhöhe. Alle drei Hauptverdächtigen wurden festgenommen.
Mein Kommentar
Das hat sich doch schon jeder mal beim Arzt gefragt: Ist diese Untersuchung - meist sehr teuer - eigentlich wirklich nötig? Oder werden hier nur hochpreisig angeschaffte Maschinen mit Patientenmaterial ausgelastet und damit rentabel? Der Patient als Milchkuh, die gemolken wird. Das sind keine Einzelschäden - das zahlen wir alle. Die überflüssige Untersuchung, die doppelte Röntgenaufnahme, die Behandlung durch einen Assistenzarzt, die dann der Chefarzt abrechnet - immer rein in die Abrechnung, die Herren wollen ja standesgemäss leben. Jetzt hat man drei erwischt. Schön. Sie haben sich wohl ein paar Millionen unter den Nagel gerissen. Dafür werden sie bestraft. Aber der Schaden durch Vertrauensverlust ist viel grösser - und dafür kann man sie nicht bestrafen. Nur verachten.
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