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Gefahr: Medikamente die Sie dick machen

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Sie ernähren sich normal, Sie leben einigermassen gesund, Sie bewegen sich auch gelegentlich und sind nicht nur eine "couch potato" - trotzdem geht Ihr Gewicht kontinuierlich nach oben. Was ist da los?

Die volksnahe Erklärung: "Ich brauche Essen nur zu sehen, schon nehme ich zu," ist natürlich purer Unsinn. Vom Hinschauen nimmt niemand zu. Der wahrscheinlichere Grund: Sie müssen regelmässig Medikamente nehmen. Und einige dieser Medikamente haben es wirklich in sich. Die sind so strukturiert, dass Patienten durch ihre Einnahme ins Übergewicht rutschen. Das sind vor allem Medikamente die bei folgenden Gesundheitsproblemen eingesetzt werden:

  • Bestimmte Präparate gegen Diabetes
  • Psychopharmaka
  • Mittel die Kortison enthalten

Professor Bernd Richter vom Universitätsklinikum Düsseldorf ist Pharmakologe. Er leitet die Stoffwechsel-Gruppe der internationalen Cochrane Collaboration, einem Netzwerk von mehr als 20 000 Forschern weltweit. Professor Richter nennt als Beispiel für dickmachende Medikamente Antidiabetika wie die Insulin-Sensitizer Rosiglitazon und Pioglitazon, weil durch sie vermehrt Wasser im Gewebe eingelagert wird. Zusätzliche Pfunde könne auch der Arzneistoff Sulfonylharnstoff verursachen.

Das ist natürlich sehr schlecht, wenn der Patient zusätzlich an einer Herzinsuffizienz leidet, weil da jedes zusätzliche Pfund negativ zu Buche schlägt. Denn gerade bei Typ 2 Diabetes ist oft eine Gewichtsabnahmen entscheidend dafür, dass sich die Werte wider einpegeln. "«Weniger Körperfettgewebe führt dazu, dass der Patient wieder besser auf Insulin anspricht», sagt der Mediziner. Gewichtssenkend sei das Antidiabetikum Metformin. Die neuen sogenannten DPP4-Inhibitoren verhielten sich zwar gewichtsneutral: «Dennoch rate ich hier nicht zu, weil noch wenig über ihre Nebenwirkungen bekannt ist.» Für jeden Diabetiker seien außerdem ein gesunder Lebensstil, also eine vernünftige Ernährung und viel Bewegung wichtig, betont Richter.

Privatdozent Stefan Leucht (Psychiater) von der Technischen Universität München: "Auch Antipsychotika, die Menschen gegen Wahnvorstellungen helfen sollen, führen mitunter zu Übergewicht." Neue Präparate wie Olanzapin und Clozapin verursachten erhebliche Gewichtszunahmen. Im Schnitt - so mehrere Studien - hatten Patienten bereits nach zehn Wochen mehr als vier Kilo zugenommen. Unklar ist noch, ob die Patienten durch die Medikamente dicker werden weil diese direkt den Stoffwechsel beeinflussen, oder deshalb, weil sie ruhiger werden und sich weniger bewegen.

Dieses Problem muss unbedingt mit dem Arzt besprochen werden, weil es oft besser ist, dicker zu werden und dafür ein Leben ohne psychotische Schübe zu führen. Bei den Antidepressiva sind eher ältere Menschen durch Medikamente in Gefahr, dicker zu werden. Aber auch da gibt es neu Medikamente, die zwar nicht besser wirken als di alten, die aber nicht dick machen.

Aber auch das altbewährte Kortison gehört zu den Dickmachern. Professor Felix Beuschlein von der Medizinischen Klinik der LMU München: "Manchmal gibt es aber keine Alternative zum Kortison. Risiko und Nutzen müssen gegeneinander abgewogen werden." Da helfen vor allem niedrigere Dosen bei Langzeitbehandlungen.

Weitere Infos:

Antidiabetika:

  • Mögliche Zunahme: Insulin-Sensitizer wie zum Beispiel die
  • Glitazone, Pioglitazon und Rosiglitazon; Sulfonylharnstoff wie zum
  • Beispiel Glibenclamid.
  • Gewichtsneutral: -Glucosidaseinhibitoren wie zum Beispiel
  • Acarbose, DPP4-Inhibitoren wie zum Beispiel Sitagliptin und
  • Vildagliptin.
  • Gewichtssenkend: Metformin, GLP-1 Analoga wie zum Beispiel
  • Exenatide.

(Quelle: Professor Bernd Richter, Universitätsklinikum Düsseldorf)

Antipsychotika:

  • Hohes Risiko: Olanzapin und Clozapin
  • Mittleres Risiko: Quetiapin, Risperidon, Sertindol,
  • niedrigpotente konventionelle Antipsychotika
  • Geringes Risiko: Amisulprid, Ziprasidon und Aripiprazol,
  • hochpotente konventionelle Antipsychotika (zum Beispiel Haloperidol)

(Quelle: Privatdozent Stefan Leucht, Technischen Universität
München)

Quelle: ddp

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