Diabetes: Bekämpfen, nicht verschweigen
Allein in Deutschland sind deswegen sieben Millionen Menschen in Behandlung, die Dunkelziffer der Erkrankten dürfte weitaus höher sein. Viele wissen gar nicht, dass in ihrem Körper eine Zeitbombe tickt. Vielzu oft wird Diabetes zu spät erkannt, vor allem der Typ II. Die Zuckerkrankheit greift die Gefäße an, zerstört sie – oft ist eine Amputation der letzte Ausweg. Deshalb halte ich es für außerordentlich wichtig, dass man über Diabetes aufgeklärt wird, dass man über diese Krankheit Bescheid weiß. Es hat keinen Zweck, vor lauter Angst zu schweigen oder die Krankheit zu ignorieren.
Dass Diabetes zu sehr verdrängt wird, das bestätigt auch die Deutsche Diabetes Stiftung. Sie sagt: „Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, ist als Tabu-Erkrankung einzustufen.” Wer an Diabetes erkrankt, der läuft Gefahr, ausgegrenzt und sogar diskriminiert zu werden. Diabetiker vom TypI können durch Unterzuckerung in Bewusstlosigkeit verfallen und dadurch Unfälle verursachen. Das wird verschwiegen, oft aus Angst um den Arbeitsplatz. Zuckerkranke Kinder werden oft nicht in Kindergärten aufgenommen, in der Schule werden Diabetiker von Schulaktionen und Ausflügen ausgeschlossen. Sehr oft werden zuckerkranke Kinder vom Sportunterricht befreit, obwohl das gar nicht nötig ist.
Wer den Führerschein machen will, der muss seine Krankheit offenbaren. Tut er das nicht, dann kann nach einem Unfall der Versicherungsschutz verloren gehen. Außerdem muss er sich jährlich oder sogar onatlich nachuntersuchen lassen. Besonders schlimm wird es, wenn mit der Zuckerkrankheit Übergewicht einhergeht. In diesen Fällen werden besonders Kinder verspottet und gehänselt.
Dem kann man nur durch ein offenes und konkretes Gespräch über die Zuckerkrankheit entgegentreten. Wenn der Kranke weiß, dass man Verständnis für seine Krankheit und deren Folgen hat, dann kann er offen damit umgehen – und so auch seine Therapie- und Heilungschancen steigern. Und das ist ein lohnendes Ziel für uns alle.
1. Die verheerenden Diabetes-Folgen
Diabetes ist eine Volkskrankheit, die oft - weil sie eine Tabu-Krankheit ist - nicht früh genug erkannt wird. Die Folgen sind verheerend: Alle 19 Minuten wird in Europa bei einem an Diabetes erkrankten Menschen eine Amputation durchgeführt oder ein Herzinfarkt behandelt. Alle 12 Minuten kommt es zu einem Schlaganfall, alle 90 Minuten zu einer Erblindung durch Netzhautablösung und alle 60 Minuten zu einer Nierenerkrankung mit Dialysepflicht. Der Diabetes-Kranke hat ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall sowie für eine Fettleber. In den Augen seiner Umwelt ist er ein schwerkranker Mensch. Das macht die Suche nach einem Arbeitsplatz nicht leichter.
Wenn Sie die Diagnose „Sie haben Diabetes mellitus“ bekommen, müssen Sie Ihren Lebensstil sofort ändern und regelmäßig Ihre Blutwerte kontrollieren und beobachten lassen. Eines empfehle ich Ihnen unbedingt: Lassen Sie zusätzlich zu den Routinekontrollen einmal im Jahr den so genannten HbA 1 c-Wert messen. Das ist so eine Art Blutzucker-Langzeit-Wert, der den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der vergangenen acht bis zehn Wochen wiedergibt. Unabhängig davon, ob der Blutzuckerspiegel in diesem Zeitraum gesunken oder gestiegen ist. Diese Diagnose ist zwar lebensverändernd, aber sie ist nicht unbedingt lebensbeendend. Wenn Sie sich an die Spielregeln halten, wenn Sie Ihr Leben grundlegend verändern, dann kriegen Sie mit der richtigen Therapie auch Ihren „Zucker“ soweit in den Griff, dass Sie ein weitgehend normales Leben führen können. Noch besser ist: Sie lassen es erst gar nicht so weit kommen.
2. Wir lernen den Feind kennen
Zuerst einmal wollen wir den Feind, den es zu bekämpfen gilt, kennen lernen. Seine Name ist: Diabetes mellitus Typ I. Hierbei zerstört das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Ohne das Hormon Insulin aber können die in der Nahrung enthaltenen Brennstoffe nicht mehr in die Körperzellen eingeschleust werden, um sie mit Energie und Nahrung zu versorgen. Die Folgen sind schwere Stoffwechselveränderungen und hoher Blutzucker, der die Gefäße schädigt. Die Betroffenen müssen ihr Leben lang Insulin spritzen. Diabetes Typ I tritt am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen auf, für Kinder ist das enorm belastend.
Die zweite Form der Krankheit ist Diabetes mellitus Typ II. Das ist eine typische Zivilisationskrankheit. Sie tritt sehr viel häufiger auf als Diabetes Typ I. Ihr Anteil wird auf etwa 95 % geschätzt. Dabei wird die Wirkung des Insulins im Körper geschwächt. Die Bauchspeicheldrüse produziert immer mehr Insulin, um diese Schwächung auszugleichen. Dadurch werden die Beta-Zellen überfordert, die Insulinproduktion bricht schließlich zusammen. Bei zu später Diagnose und einer unzureichenden Behandlung gibt es schwere Folgekrankheiten. Über 75 % aller Diabetiker sterben an Herzinfarkt oder Schlaganfall.
3. Auf Diabetes testen lassen
Sehr wichtig ist die rechtzeitige Erkennung der Zuckerkrankheit. Das ist relativ einfach, geht über Tests, die Sie beim Arzt oder sogar zu Hause machen können. Generell sollten Sie sich so etwa alle drei bis vier Monate folgende Fragen stellen und beantworten:
- Treibe ich jeden Tag ca. 30 Minuten Sport oder bewege ich mich anderweitig energisch?
- Esse ich oft frisches Gemüse und Obst, nehme also viele Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe auf? Diese Fragen sollten Sie mit "ja" beantworten können.
- Habe ich einen erhöhten oder zu hohen Blutdruck?
- Sind meine Cholesterinwerte zu hoch?
- Gab es in meiner Familie schon oft Diabetes?
- Habe ich viel Bauchfett? Wenn Sie diese Fragen auch mit "ja" beantworten, dann sollten Sie unbedingt einen Diabetes-Test durchführen lassen.
Diabetes vom Typ II wird oft nur zufällig diagnostiziert, aber es gibt typische Symptome, die den Verdacht aufkommen lassen: starkes Durstgefühl, häufiger Toilettengang, Wadenkrämpfe, Sehstörungen, plötzliche Gewichtsabnahme, schlecht heilende Wunden, ein ständiger Juckreiz im Genitalbereich.
Bei Diabetes I sind die Symptome durch absoluten Insulinmangel heftiger: unvollständige Fettverbrennung und Übersäuerung des Blutes bis hin zum diabetischen Koma. Hier sollte sofort ein Risikotest durchgeführt werden (siehe: www.diabetes-risiko.de).
4. Langfristige Schäden vermeiden
Es wird jetzt höchste Zeit, Ihnen die Angst vor der „Zuckerkrankheit“ zu nehmen. Deshalb will ich Ihnen mitteilen, was man dagegen tun kann. Die Diabetes-Behandlung hat mehrere Ziele. Langfristige Schäden sollen vermieden werden: Schäden an den Augen, den Füßen, den Nieren, den Nerven und an den Gefäßen. Es sind aber auch kurzfristige Komplikationen zu verhindern: z. B. Unterzuckerung und Blutzuckerentgleisung. Nur so kann die Infektanfälligkeit und Leistungseinschränkung eines schlecht eingestellten Diabetikers vermieden werden. Die wichtigsten Therapiegrundlagen für beide Typen von Diabetes sind gute Schulung – wobei die Fußpflege ein entscheidender Punkt ist – und die richtige Ernährung, die vorbeugend ebenfalls sehr wichtig für den Nichtdiabetiker ist. Auch regelmäßige Bewegung und konsequente Gewichtsreduzierung gehören zu diesem Behandlungs-und Prophylaxekomplex.
5. Das richtige Essen ist enorm wichtig
Das Energiegleichgewicht der Nahrung muss stimmen. Das Essen darf nicht zu kalorienreich sein, weil es sonst zu gesundheitsschädlichem Übergewicht führt. Auch der Kohlenhydratgehalt muss stimmen. Dazu müssen Sie die Kohlenhydratmenge genau berechnen. Dazu benutzen wir die BE = Broteinheit. BE bedeutet, dass12 Gramm Kohlenhydrate in dieser Menge Essen enthalten sind. 1 BE sind zum Beispiel enthalten in 80 Gramm Kartoffeln, 100 Gramm Äpfeln, 30 Gramm Mischbrot. Je mehr BE man konsumiert, desto stärker wird der Blutzuckergehalt angehoben. Zu viel Fett fördert die Arteriosklerose, ein zu hoher Eiweißanteil belastet die Nieren. Generell gilt: Diabetiker müssen Alkohol strikt meiden.
6. Der Arzt bestimmt, was genommen wird
Ganz wichtig sind für Diabetiker auch die richtigen Medikamente. Ob Insulin gespritzt werden muss oder blutzuckersenkende Tabletten eingesetzt werden – darüber entscheidet immer der Arzt. Er muss auch die Wahl des Medikamentes treffen. Es gibt drei Typen mit sehr unterschiedlichen Wirkungen:
- Sulfonylharnstoffe werden sehr häufig verwendet. Sie sorgen dafür, dass in der Bauchspeicheldrüse vorhandenes Insulin verstärkt in die Blutbahn abgegeben werden. Die Repaglinide wirken schneller und lösen eine mahlzeitbezogene Insulinsekretion aus. Man kann die Einnahme nach Bedarf verschieben oder weglassen.
- Metformin wird vor allem bei übergewichtigen Diabetikern eingesetzt. Es verbessert die Insulinwirkung, verhindert die Freisetzung von Zucker in der Leber und sorgt dafür, dass Nahrungszucker in die Darmzellen und nicht ins Blut abgegeben wird. Nebenwirkungen sind anfängliche Darmbeschwerden. Dieser Wirkstoff darf nicht bei Leber- und Nierenschäden, Herz-Kreislauferkrankungen und schweren Infekten gegeben werden.
- Alpha-Clucosidase-Hemmer können ebenfalls eingesetzt werden. Sie sorgen dafür, dass Stärke langsam in Glukose umgewandelt wird. Dadurch wird der Blutzuckeranstieg nach dem Essen verlangsamt. Nebenwirkungen können in Form von Blähungen auftreten.
7. Auch die Natur hilft bei Diabetes
Auch bei Diabetes können Sie sich mit Naturmitteln behelfen und Ihre Lebensqualität verbessern. Da sind erwähnenswert: Chrom und Zink, weil diese Spurenelemente einen erhöhten Blutzuckerspiegel senken können. Sie sorgen dafür, dass die Körperzellen besser auf Insulin reagieren. Chrom ist in interessanten Mengen in Kresse, Gouda-Käse und Vollkornbrot enthalten. Zink in Mohn, Hafer, Tilsiter und Bergkäse. Zimt reduziert die Blutzuckerwerte bei Diabetikern merklich. Dazu genügt schon 1/2 Teelöffel. Allerdings stieg der Blutzuckerspiegel wieder an, wenn die Zimt-Therapie abgesetzt wurde. Man muss ihn also ständig zuführen. Die Wissenschaft vermutet, dass die blutzuckersenkende Wirkung auf die wasserlösliche Substanz
Methylhydroxy-Chalcon-Polymer zurückzuführen ist.
Nopal-Kaktus, auch bekannt als Feigenkaktus. Die zarten Blätter der Schößlinge enthalten die meisten Wirkstoffe: Kalzium, Kalium, Mangan, Eisen, Silizium, die Vitamine A, B1, B2, B3 und C. Außerdem Harze, Tannine und Karotine. Und sehr viel Pektine,mehr als der Apfel. Ganz entscheidend aber ist ein Enzym in den Schößlingen, das Glykose-6-Phosphat-Isomerase. Dieses Enzym kann zu hohe Blutzuckerwerte senken. Der Extrakt aus dem Nopal-Kaktus senkt hohe Blutzuckerwerte bei Patienten mit Diabetes Typ I und Typ II. Er ist eine sinnvolle Unterstützung der medikamentösen Behandlung. Es gibt den Nopal-Kaktus in der Apotheke in Form von Tee oder als Kapseln. Man trinkt zwei Tassen am Tag.
8. Sie gewinnen an Lebensqualität
Ich sage es noch einmal in aller Klarheit: Nichts ist bei Diabetes so wichtig wie die frühe Erkennung und Behandlung dieser Krankheit. Warten Sie nicht ab, bis sie ausbricht, sondern ziehen Sie vorher die Notbremse. Dabei ist es wirklich nicht schwer, einen heraufziehenden Diabetes rechtzeitig zu erkennen, zu verhindern oder zu behandeln. Sie haben es oft selbst in der Hand, ob Sie einmal Diabetiker werden - oder nicht. Die beste Prophylaxe ist:
- viel Bewegung und täglich 30 Minuten Sport
- eine gesunde Ernährung mit einem ausgewogenen Anteil an Fetten, Kohlenhydraten, Eiweiß und Ballaststoffen
- eine Gewichtsabnahme bis hin zum Normalgewicht
- vernünftiger Umgang mit Alkohol
Sollten sich bei Ihnen jedoch bereits Symptome zeigen, dann zögern Sie nicht, sofort zum Arzt zu gehen. Und vor allem: Verschweigen Sie die Krankheit nicht, reden Sie darüber. Es ist keine Schande, wenn man zuckerkrank wird oder ist. Es ist ein Schicksal, aber man kann es bekämpfen. Dabei brauchen Sie mit Sicherheit Hilfe. Und nicht nur die des Arztes. Ihr Umfeld, Ihr Partner, Ihre Familie – alle müssen mithelfen. Natürlich bedeutet eine solche Lebensumstellung auch Verzicht, aber da muss man Ihnen helfen. Denn durch einen solchen Verzicht gewinnen Sie an Lebensqualität.
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