Aggressive Hunde: Wie Sie sich verhalten müssen
Es sind nicht immer so genannte "Kampfhunde", die ausrasten und sich auf Menschen stürzen. Oft sind es Mischlinge, ja sogar Hunde, deren Rasse als besonders "familienfreundlich" gilt. Der letzte bekannt gewordene "Killerhund" war ein Husky-Mischling - er biss ein Baby tot. Franz Breitsamer, Hundekenner und von der Regierung von Oberbayern bestellter und vereidigter Sachverständiger: "In Wirklichkeit ist nur selten der Hund verantwortlich, sondern in den allermeisten Fällen der Halter."
Er ist der Meinung: "Ein Hund darf sich und seinen Herren gegen Angriffe verteidigen, aber nicht auf jede Reizsituation mit Angriff reagieren." Aber was ist eine Reizsituation? Das kann laut Breitsamer bereits die Begegnung eines Hundes mit einem körperlich Behinderten sein, der sich ungewöhnlich bewegt. "Dann," so Breitsamer, "muss der Hundehalter die Situation unter Kontrolle bringen können." Dazu genügt es nicht, mit dem Hund ein partnerschaftliches Verhältnis zu pflegen: Der Hund muss Tabus kennen, die er nicht verletzen darf. Breitsamer: "Der Hund muss lernen, dass der Mensch immer der Ranghöhere ist." Alles schön und gut. Was aber, wenn man einem Hund begegnet, und sich ein Konflikt anbahnt?
Was müssen Sie tun, wenn der Hund kommt?
- Sie dürfen den Hund nicht ansehen, ihm auf keinen Fall in die Augen blicken. Das ist für ihn Herausforderung und Drohung. Wenden Sie sich ab, täuschen Sie Interesse an anderen Dingen vor.
- Einen Hund, den Sie nicht kennen, dürfen Sie auf keinen Fall anfassen oder ansprechen. Auch wenn er schweifwedelnd auf Sie zukommt. Also: Nicht streicheln, auch wenn er noch so lieb ist.
- Wenn ein Hund an Ihnen schnüffelt, dann lassen Sie das zu, machen Sie keine schnellen Abwehrbewegungen - er wird das Interesse verlieren und verschwinden.
- Ignorieren Sie den Hund einfach: Weiterlaufen, Tempo beibehalten, Verhalten nicht verändern.
So erkennen Sie, ob ein Hund eine Gefahr ist
- Der Hund zieht an der Leine, lässt sich vom Halter nicht beeinflussen, Sie haben den deutlichen Eindruck: "Das Tier ist nicht unter Kontrolle."
- Der Hund verweigert den Gehorsam, wendet sich plötzlich einem Fremden zu. Ist der Halter nicht in der Nähe, dann müssen Sie aufpassen.
- Vorsicht: Schwanzwedeln bedeutet nicht unbedingt freundliche Gesinnung, es zeigt sehr oft nur erhöhte Aufmerksamkeit an. Bleibt der Hund plötzlich stehen und blickt Sie mit erhobenem Kopf an, müssen Sie vorsichtig sein - der ist nicht unterwürfig, sondern auf Konfrontation aus.
- Ganz eng wird es, wenn der Hund die Haare aufstellt, knurrt oder seinen ganzen Körper anspannt.
Ich werde attackiert - was tun?
- Bitte nicht wegrennen. Das schaffen Sie nicht. Außerdem wird dadurch zusätzlich der Jagdtrieb geweckt.
- Versuchen Sie, mit dem Rücken an eine Wand oder an ein anderes Hindernis zu kommen und zeigen Sie dem Hund Ihre Breitseite. Sonst könnte er in Versuchung kommen, einen Nackenbiss anzubringen.
- Wenn Sie es schaffen, dann treten Sie das Tier so kräftig wie Sie können vor die Brust. Oder versuchen Sie, seine Hinterläufe zu packen und ihn hochzuheben. Oder seine Vorderläufe auseinander zu biegen. Da geben die meisten Hunde auf.
- Wenn Sie doch gebissen werden: Nicht losreissen und nicht schreien - solche Reaktionen machen den Hund nur noch wilder. Versuchen Sie, sich loszureissen, dann beisst er nach, die Verletzungsgefahr wächst.
Deshalb gilt für alle Hunde: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und niemals dürfen Sie bei einem Hund unachtsam oder unaufmerksam sein. Er muss ständig spüren, dass Sie ihn kontrollieren.
Mein Kommentar
"Er will ja nur spielen..." den Satz kennen wir doch alle. Glauben Sie davon kein Wort. Denn wir wissen nie, ob er wirklich nur spielen will, der liebe Hund, der Kamerad, der beste Freund des Menschen. Manchmal will er eben auch kämpfen, seine Kräfte messen, beissen. Wir müssen ihm klar machen, wer Herr im Hause ist, bevor er knurrend und mit frei gelegten Zähnen losjagt. Denn in fast 100% aller Unfällen mit Hunden gilt der Spruch: "Nicht der Hund ist unnormal, sondern der Halter."
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